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Die leicht zu belegende Behauptung, dass in den westeuropäischen Gesellschaften weiße Männer hegemoniale Sprech- und Machtpositionen besetzt (ge)halten (haben?), kann keinen Anspruch auf Neuigkeit erheben. Auch wenn umstritten ist, was aus dieser Einsicht folgt, darf doch die Einsicht selbst als geteilt gelten. Die Philosophie ist – zumindest in ihrer deutschsprachig institutionalisierten Form – allerdings weit davon entfernt, aus dieser Einsicht Konsequenzen gezogen zu haben. Die Tatsache, dass prägende Diskurse für die Kritik in einem nicht-europäischen Umfeld entstanden sind. erleichtert die abwehrenden Sprechakte, all diese Debatten seien „importiert“ und hätten mit „uns“ nichts zu tun.

Die Philosophie als reflexive Wissenschaft ist nun aber gar nicht darauf festgelegt, Hoheitsgesten gegenüber „anderem“ Denken zu vollziehen. Die Reflexion auf den Standpunkt, die Gültigkeitsbedingungen und die Voraussetzungen des eigenen Wissens gehören (in sehr unterschiedlichen methodische Artikulationsweisen) zu den Standardverfahren der Philosophie. So stellt sich philosophisch gesehen die Aufgabe gewissermaßen von selbst, darüber nachzudenken, was denn an unserer eigenen Theoriebildung und Autorisierung „situiert“ heißen kann. Leitend wäre dann hier gewissermaßen ein reflexives „Missvertrauen“ (R. Schulz) als Leitfaden gegenüber den eigenen Situiertheiten.